Fakten statt Mythen
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Naturstein ist ein wunderbarer Baustoff mit vielen Einsatzmöglichkeiten, der weltumspannend in der Geschichte der Menschheit das zentrale Baumaterial darstellt. Die globale Logistik bietet uns die Möglichkeit, von verschiedenen Plätzen der Erde Natursteine heranzuschaffen.

Rund um die Gewinnung und den Transport der Steine ranken sich verschiedene Mythen, die einer näheren Betrachtung nicht standhalten.
Qualität
Dem chinesischen Granit wird aus durchaus verständlichen Gründen eine minderwertige Qualität angedichtet. Er verroste, sei nicht frostsicher und zerbrösle in Kürze. Tatsache ist, dass der klassische chinesische Granit den heimischen Vorkommen sehr ähnlich ist, nur Experten können diese unterscheiden.
Das größte Granitabbaugebiet in China erstreckt sich nördlich der Stadt Xiamen 300 Kilometer entlang der Ostküste und reicht bis zu 50 Kilometer in das Landesinnere. Drei Millionen Menschen arbeiten hier in Natursteinabbau und Verarbeitung. Durch die vorhandenen „Human Resources“ und die fortschreitende Mechanisierung hat sich Xiamen zu einer unvorstellbar schlagkräftigen Metropole der weltweiten Steinindustrie entwickelt.
Die Granite um Xiamen (China) sind heute
mit großem Abstand die weltweiten Bestseller.
Grundsätzlich zeichnen sich Granite durch ihre bekannte Härte und Widerstandsfähigkeit aus. Ihre Eignung für die verschiedenen Einsatzbereiche in der Bauwirtschaft wird durch Labortests von dafür autorisierten Anstalten geprüft. Druckfestigkeit, Abrieb, Biegezugfestigkeit und Wasseraufnahme bzw. Frostsicherheit sind die maßgeblichen Kriterien.
China ist ein Billiglohnland und mitunter auch Lieferant vieler wirklicher „Billigprodukte“. Die Magmaerstarrung vor Jahrmillionen im Gebiet des heutigen China hat auf diesen Umstand keine Rücksicht genommen. Kurios ist das immer wiederkehrende Argument, Granit aus China sei nicht frostsicher, da im Gebiet um Xiamen kein Frost auftrete. Auch jeder Laie kann nachvollziehen, dass die Oberflächentemperatur mit der Gesteinsentstehung in der Tiefe nichts zu tun hat.
Selbstverständlich sind die verwendeten
chinesischen Granite absolut frostsicher.
Grober Unsinn ist auch, dass Granit roste. Vereinzelte Rostflecke rühren her vom Kontakt mit Nägeln und Eisenbändern in der Verpackung und sind problemlos zu entfernen.
Verfärbungsproblemen bei gelben Granitmaterialien (allen voran G682) kann durch richtige Behandlung problemlos vorgebeugt werden.
Speziell der preiswerte Granit aus China wird sehr oft auch sehr „günstig“, also nicht fachgerecht, verarbeitet. Hier werden immer wieder große Fehler bei Errichtung des Unterbaus und Verwendung geeigneter Verlegematerialien begangen.
Die dann auftretenden Probleme werden gerne fälschlicherweise auf den Granit geschoben, die Fachgutachten beweisen aber stets die wahre Ursache.
Die Bedachtnahme auf Qualifikation und
Seriosität des Verlegebetriebs ist somit sehr wichtig.
Tatsächlich befindet sich das Hauptvorkommen, der Graugranit G 603, im Mittelfeld der verschiedenen weltweit verwendeten Materialien betreffend Härte, Wasseraufnahme und den diversen weiteren Kriterien.
Transportkosten
Ein modernes Märchen ist,
dass der Seetransport von Granit nichts koste.
Er werde ohnehin als Ballast im Schiffsbauch gebraucht und reise daher gratis. Das mag in den Anfängen des Seehandels so gewesen sein, die heutige Logistik zeichnet ein anderes Bild.
Auf den Weltmeeren sind fast ausschließlich Containerschiffe unterwegs. Die standardisierten Containereinheiten sind rund 6 Meter lang und etwa 2,3 Meter breit und hoch. Hier können 28 Tonnen Fracht verladen werden. Eine Überfahrt dauert rund 30 Tage, die größten Schiffe fassen bis zu 15.000 solcher Containereinheiten und können in den leistungsfähigsten Häfen Europas und Asiens in nur zwei Tagen völlig entleert und neu befüllt werden.
Der Containertransport kostet vom Seehafen Asien bis Zentralraum Mitteleuropa zwischen 1.500 und 3.000 Euro, stark schwankend mit den aktuellen Seefrachtraten. Also 5,5 bis 11 Cent pro Kilogramm, was für uns auch für jedes einzelne Produkt die Kalkulationsgrundlage der Fracht ist.
Immer wieder wird auch behauptet, dass Steine während der Überfahrt am Schiff bearbeitet werden. Das ist in Anbetracht der in vielen Lagen dicht gestauten Container gar nicht möglich. Und welchen wirtschaftlichen Sinn sollte es machen, den hierfür notwendigen und teuren Frachtraum freizuhalten? Rohmaterial und Maschinen mitzuführen, ganz zu schweigen von den Menschen und den dafür erforderlichen Infrastrukturen?
Ökologie
Es gibt heute rund 25 Millionen Containereinheiten am Weltmarkt und diese absolvieren jährlich etwa 200 Millionen Seetransporte mit 4.500 Kilometern durchschnittlichem Seeweg. Mit diesem Logistiksystem wird der Großteil des Welthandels abgewickelt. Dafür werden 0,8 Prozent der rund 5,5 Milliarden Tonnen jährlich weltweit verbrauchten fossilen Brennstoffe verwendet.
Ressourcen zu schonen und auf Nachhaltigkeit zu achten, das ist Verantwortung und Verpflichtung. Der weltumspannende Seeverkehr und damit auch der Transport von Stein schlagen in dieser Bilanz nur sehr maßvoll zu Buche.
Ein Container braucht rund drei Liter Öl pro hundert Kilometer auf dem Seeweg. Bei 17.500 Kilometern macht das rein rechnerisch 525 Liter. Wenn man gar einrechnet, dass ein Teil der Container leer retour geht, so ergibt dies im Schnitt 700 bis 750 Liter pro Containereinheit. Damit käme ein voll beladener LKW 2.000 Kilometer weit.
Der Flugverkehr braucht etwa sechs Prozent. Alleine der Straßenverkehr der USA „frisst“ 23 Prozent, also das knapp 30-fache.
Würden amerikanische Autos im Schnitt anstatt 13 Litern nur 12 Liter pro hundert Kilometer verbrauchen, wäre die Ersparnis mehr als doppelt so hoch wie der Verbrauch der weltweiten Warenwirtschaft über den Seeweg.
Kinderarbeit
Das Thema Kinderarbeit ist viel zu ernst, um hier auch nur im Geringsten nachgiebig zu sein. Es gibt leider Kinderarbeit in bestimmten Gegenden in Indien. Seriöse Recherchen einer deutschen Fernsehanstalt zeigten vor einigen Jahren eindeutige Bilder.
Unser Weg ist hier die Zusammenarbeit mit der deutschen Agentur „XertifiX“, die sich der Vermeidung der Kinderarbeit unter Zuhilfenahme strenger Auflagen und laufender Kontrollen der vertraglich gebundenen Produktionsbetriebe verschrieben hat.
Die Armut in den betreffenden Regionen ist leider so groß, dass die Menschen durch den drohenden Hungertod als Alternative zu allem bereit sind. Unser Zugang ist bei allen Problemen dennoch der, hier möglichst viel und möglichst faires Geschäft abzuwickeln, wir können damit in betreffenden Regionen die einzige Einnahmequelle fördern.
In China gibt es keine Kinderarbeit. Die staatlichen Auflagen sind ungeheuer streng und die Kontrollen in der so stark frequentierten Steingegend an der Ostküste sehr einfach.
Die Grundschule dauert bis zum sechzehnten Lebensjahr, die tägliche Arbeitszeit darf acht Stunden nicht überschreiten. Dies wird vermutlich nicht immer exakt eingehalten. Gerade Kinderarbeit ist angesichts der starken Wettbewerbsfähigkeit der verschiedenen chinesischen Industrien am Weltmarkt ein gerne immer wieder verwendeter, aber keinesfalls gerechtfertigter Angriffspunkt, in dessen Bewusstsein die Behörde sehr rigoros ist.
Arbeitsplätze
Importe gefährden heimische Arbeitsplätze. Das ist ein Argument, das zu kurz greift. Natürlich bedeutet die Einfuhr von Gütern auch die Verlagerung von Arbeitskraft. Bei genauerer Betrachtung lässt sich aber eines klar vor Augen führen:
Schon vor Jahrzehnten kamen viele Gastarbeiter in der heimischen Industrie zum Einsatz. Heute sind ganze Branchen existenziell davon abhängig, günstige Ausländer im eigenen Land zu beschäftigen. In vielen, speziell einfacheren und vor allem schweren Handwerksbereichen sind wir bei weitem nicht in der Lage, das Arbeitsaufkommen selbst zu bewältigen.
Wenn wir unsere Arbeitslosenquote betrachten, so ist festzustellen, dass der Gutteil der Betroffenen nach einer jeweils entsprechenden, qualifizierten Arbeit sucht und ein gewisser Teil in Wahrheit gar nicht.
Es ist für die Betriebe sehr schwer, gute Mitarbeiter zu finden, und es ist fast unmöglich, Mitarbeiter für schwere Hilfsarbeiterjobs zu finden, zumindest keine Inländer.
So wie wir ausländische Kräfte brauchen, so brauchen wir auch die Importe, zumindest von einfachen, durch hartes Handwerk entstandenen Produkten.
Im Gegenzug sind wir dafür in der Lage, technisch hochwertige Produkte und Know-how zu exportieren. Gerade darin sind Österreich und Deutschland sehr stark. Unsere heimische Industrie verkauft die Leistungsstunde mit einer Wertschöpfung von rund 110 Euro (ohne Materialanteil), und davon können wir gut existieren. Es gibt eine Vielzahl tüchtiger und gut florierender Unternehmen, die stark vom Export solcher hochwertigen Produkte leben.
Die Chinesen liefern uns einfache Produkte mit einer Wertschöpfung von rund 1,80 Euro pro Leistungsstunde. Wenn wir also eine Stunde für China arbeiten, arbeitet ein Chinese ungefähr 60 Stunden für uns.
Wir können unter feinsten Bedingungen, klimatisiert und arbeitsmedizinisch durchgestylt, unsere Stunde verbringen, der Chinese werkt dafür eineinhalb Wochen im Steinbruch. Da ist es heiß, anstrengend und gefährlich. Wir leben hervorragend von unseren Exporten, aber diese sind auf lange Sicht nur mit entsprechenden Importen möglich.


